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Das Fell unserer Langhaare – oder: warum gibt es Unterschiede?



Es ist schwer vorstellbar aber die Langhaarschäferhunde haben einen Gendefekt. Aber keine Angst dieser Defekt hat keinen Einfluss auf die Gesundheit unserer Lieblinge.

Das Langhaar entsteht nämlich durch eine Defekt-Mutation im FGF5-Gen (fibroblast growth factor 5).
Man bezeichnet FGF5 auch als das „Langhaar-Gen“ bzw. den „L-Lokus„.

  • L (frühere Nomenklatur „K“) ist hier das dominante Wildtyp-Allel und führt zu normalem Kurzhaar (Ll, LL).

  • l (frühere Nomenklatur „L“) ist das rezessive mutante Allel und führt reinerbig zu Langhaar (ll)

Das FGF 5-Gen besteht aus 251 Aminosäuren. Es ist auf dem Cromosom 4 lokalisiert.

Dieses Gen enthält den Bauplan für ein Protein, das normalerweise während der Wachstumsphase der Haare regulierend auf das Haarwachstum einwirken soll.
Ein Hund der kein funktionierendes FGF5-Allel produzieren kann ist also immer langhaarig.

Die Gesichtsbehaarung ist allerdings nicht betroffen. Diese bleibt auch bei langhaarigen Hunden relativ kurz.

Bei einzelnen kurzhaarigen Hunden reicht manchmal schon eine Kopie des defekten FGF5-Allels, um äußerlich für minimal längeres Fell zu sorgen. So sind z.B. viele Schäferhunde mit nur einer ! Kopie des defekten FGF5 manchmal im direkten Vergleich zu ihren kurzhaarigen Wurfgeschistern etwas plüschiger.



Grundlegend folgt das Merkmal einem rezessiven ( nicht hervortretenden) Erbgang.

Aus zwei langhaarigen Eltern (l/l) kann immer nur 100 % Langhaar fallen. Umgekehrt muss mindestens ein Elternteil kurzhaarig sein, wenn man kurzhaarige Welpen plant.

Und aus einem reinerbig kurzhaarigen Hund (L/L) entstehen in der ersten Generation immer nur kurzhaarige Welpen.

Aus einem kurzhaarigen Hund kann also nur dann ein langhaariger Welpe fallen, wenn er auch tatsächlich Träger für ‚Langhaar‘ ist (L/l).

Felllänge als Rassemerkmal

Bei der Entstehung fast aller Hunderassen hat irgendwann mal auch ein langhaariger Hund mitgespielt.

In seit Generationen kurzhaarig gezüchteten Rassen ist das rezessive Langhaar-Allel l aber durch gezielte Selektion auf einen kurzhaarigen Phänotyp meist nicht mehr im Genpool vorhanden.

Viele Hunde typisch kurzhaariger Hunderassen wie z.B. Husky, Labrador, Dobermann oder Dalmatiner sind also reinerbig Kurzhaar (LL).

Da ein rezessives Allel aber natürlich versteckt über viele Generationen getragen werden kann, kann theoretisch auch in diesen Hunderassen ganz, ganz, ganz selten mal ein langhaariger Welpe fallen.

Warum ist nicht jedes Langhaar gleich lang?

Was Dir bestimmt aufgefallen ist:

Langhaar ist nicht gleich Langhaar.

Das Fell wird zusätzlich von weiteren, bislang aber unbekannten, Modifizierungsgenen beeinflusst.

Die tatsächliche Haarlänge kann so ganz offensichtlich durch züchterische Selektion in die eine oder andere Richtung beeinflusst werden.

Das fällt besonders auf, wenn man Hunde aus Show- und Arbeitslinien innerhalb der gleichen Hunderasse vergleicht. Denn während in den Showlinien schon lange auf eine bestimmte Fellqualität selektiert wird, zählt in Arbeitslinien oft nur die Funktionalität.

In Grenzfällen ist die Unterscheidung von Langhaar und Kurzhaar nur am Phänotyp (äußere Erscheinungsbild) manchmal sogar erstaunlich schwierig.

Denn ein genetisch kurzhaariger Hund (L/-) kann durch viel Unterwolle vor allem im Winterfell, durchaus einen ziemlich plüschigen Look haben.

Auf der anderen Seite kann ein genetisch langhaariger Hund (l/l) aber tatsächlich phänotypisch so kurzes Fell haben, dass er fast schon als „plüschiger Kurzhaar“ durchgeht.

Und dann spielen da auch noch Wachstum, Hormonstatus und andere Faktoren mit rein:

Rüden haben meist mehr Halskrause als Hündinnen.

Winterfell ist i.d.R. plüschiger und etwas länger als Sommerfell (sofern der Hund Unterwolle besitzt).

Und bei jungen langhaarigen Hunden kann es schon mal bis ins Erwachsenenalter dauern bis das Fell endlich zu voller Pracht gewachsen ist.

Bitte nicht vergessen: ausgewachsen sind die Schäfis mit 12 – 18 Monaten - erwachsen sind sie meist erst mit 2 - 2,5 Jahren.

Langhaarige Welpen erkennt man in gemischten Würfen neben ihren kurzhaarigen Geschistern übrigens oft ab der vierten oder fünften Woche am auffälligen Ohrenplüsch und der Befederung der Rute. Beides fehlt bei den kurzhaarigen Hunden nämlich.



Quellen

[1] FGF5 as a regulator of the hair growth cycle: Evidence from targeted and spontaneous mutations; Hébert et. al.; Cell.  (1994); doi: https://doi.org/10.1016/0092-8674(94)90276-3

[2] Dierks, C. , Mömke, S. , Philipp, U. and Distl, O. (2013), Allelic heterogeneity of FGF5 mutations causes the long‐hair phenotype in dogs. Anim Genet, 44: 425-431. doi: https://doi.org/10.1111/age.12010
















 
 
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